JugendMedienEvent 2013

Das JugendMedienEvent 2013
29. August bis 1. September in Berlin

Journalismusstandort Deutschland

Der internationale Vergleich

Deutschland bietet für Journalisten im internationalen Vergleich einige Besonderheiten. Neben einem verhältnismäßig großen rechtlichen Quellenschutz sind beispielsweise auch de facto Hausdurchsuchungen bei Journalisten, Whistleblowern etc. längst nicht so schnell gemacht, wie zum Beispiel in Großbritannien. Bei der JME-Diskussion zur NSA-Affäre erwähnt Ole Reißmann von SpiegelOnline Netzwelt die Edward Snowden-Vertraute Laura Poitras, die aus diesem Grund in Deutschland lebe.
Es gibt jedoch noch andere Eigenheiten. Vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Journalisten und Politikern hat in Deutschland die Form des „unter-drei“ Gesprächs entstehen lassen: Zusammenkünfte, die dem reinen Informationsaustausch dienen und die eine direkte Berichterstattungen oder Zitation der Politiker von vornherein ausschließt. Laut Carsten Wagner, Pressesprecher beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und JME-Referent für politische Kommunikation, kommen mittlerweile aber häufiger Vertrauensbrüche in diesen Situationen vor. Dennoch sind die Arrangements von vertraulichen Gesprächen ein wichtiger Bestandteil der deutschen Informationsmaschinerie. „Dafür braucht man sich nicht einmal groß kennen“, sagt Wagner.

Dies unterstreichen auch die Journalisten ausländischer Medien, Alessandro Alviani (u.a. La Stampa), Pascal Thibaut (u.a. Radio France International) und Ahmet Külahci (Hürryiet Deutschland) bei der Diskussion zum Deutschlandbild in Ausland. In den meisten Ländern seien exklusive Kontakte, wie die privaten Handynummern von Spitzenpolitikern, die Arbeitsgrundlage von Journalisten. „Meine Redaktion in Italien hält mich für schlecht, wenn ich die deutschen Kontakte nicht auch abends um 22 Uhr noch privat erreichen kann. Dabei ist das in Italien normal“, erklärt Alessandro Alviani. Dafür seien deutsche Politiker für Gespräche mit ausländischen Journalisten viel offener und einfacher zu bekommen als in anderen Ländern.
Schließlich gibt es aber noch weitere deutsche „Sonderwege“: Dass Interviews vor Abdruck den Politikern noch einmal zur Freigabe vorgelegt würden, war für Erik Kirschbaum, Korrespondent der Agentur Thomson Reuters, sehr gewöhnungsbedürftig. Er sehe im Vergleich zu den USA aber auch die Vorteile dieser vertrauensvolleren, nicht so bösartigen Beziehung zu Politikern, sodass diese Sonderwege durchaus geschätzt werden können.

Tobias Hauck

Hauptveranstalter und Partner Junge Presse e.V. BPB Axel Springer Akademie